Donnerstag, 20. März 2014

Montagsfrage: Liest Du die Rezensionen zu einem Buch vor oder nach dessen Lektüre?



Nina von Libromanie hat diese Woche folgende Frage gestellt:

Liest Du die Rezensionen zu einem Buch vor oder nach dessen Lektüre?

Das kommt ganz darauf an. Wenn meine Lieblingsautoren ihre neuen Werke veröffentlichen, kaufe ich die Bücher ohne weiter darüber nachzudenken. Bei Büchern, bei denen ich unsicher bin oder wenn das eigene Budget mal wieder eine kleine Rolle bei der Buchauswahl spielt, lese ich gern Amazonrezensionen. Von der Anzahl der vergebenen Sterne lasse ich mich weniger beeinflussen als von den tatsächlich verfassten Kommentaren. Dass jedermann und jederfrau auf dieser Verkaufsplattform kommentieren kann, hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein großer Vorteil ist für mich, dass die meisten Bewertungen nicht von Buchbloggern kommen, sondern von Menschen, die einfach ihre Meinung zu dem Buch kundtun, mit dem sie einige Stunden ihres Lebens verbracht haben. Der Zugang zum Buch und der Blick auf das geschriebene Wort unterscheiden sich häufig von denen eines Buchbloggers. Deswegen überfliege ich diese kleinen Rezensionen sehr gern, lese sowohl positive als auch negative Bewertungen, und verschaffe mir so ein besseres Bild über das Werk, mit dem ich liebäugele. Die Angst vor Spoilern spielt auch eine große Rolle, weswegen ich mich längeren Diskussionen über ein Buch lieber nach dem Lesen widme, da mich brennend interessiert, wie andere Leser es fanden und ob ich eventuell ein paar Kleinigkeiten verpasst oder nicht wahrgenommen habe, die jemand anderem besonders ins Auge gefallen sind. Wenn ich ein Buch verschenken möchte und es selbst nicht gelesen habe, wende ich mich ausführlicheren Rezensionen zu oder verlasse mich auf Mundpropaganda. Man sieht Menschen ja an, wenn die Augen vor Begeisterung leuchten... :)

Samstag, 15. März 2014

Rezension | Anziehungskraft – Stil kennt keine Größe


Ich gebe es zu, ich bin ein großer Fan von Shopping Queen. There, I said it. Lange habe ich mich gegen das Format gewehrt, bis ich an Weihnachten bei meiner Familie daheim war und die Sendung eines Samstags in Dauerschleife lief. Ich saß auf dem Sofa und lernte für meine letzte Abschlussprüfung. Ab und an riskierte ich einen Blick auf den Fernseher. Erst im 30min-Takt, dann häufiger und plötzlich ertappte ich mich, wie ich mitfieberte. „Nein, nicht das Outfit, das steht Dir nicht! Das blaue Kleid sah so gut aus! Arrrgh.“ 

So schnell war es um mich geschehen. Guido-Maria Kretschmers Art und sein Modewissen haben mich in ihren Bann gezogen und weil ich seinen Umgang mit dem Körper des 08/15-Menschen bewundere sowie seine Meinungen schätze, habe ich mir sein Buchdebüt Anziehungskraft (Edel Germany Verlag) gekauft. Dort diskutiert Kretschmer verschiedene Körpertypen, natürlich stereotypisiert, erklärt, wo jeweilige Stärken und Schwächen der Formen liegen und wie man ebenjene am besten betont bzw. kaschiert. Ich hatte mir Moderatschläge vom Experten erhofft. Nach und nach las ich Seite für Seite, machte mich mit der zarten Elfe, der Walküre, der H-Form, der X-/O-/V-/A-Figur vertraut. Von Zeit zu Zeit fand ich Ähnlichkeiten zu meinem Körper, hauptsächlich jedoch nicht. Als ich das letzte Kapitel erreichte, machte sich Enttäuschung breit. Jetzt wusste ich immer noch nicht, was meiner Figur schmeichelte. Im Nachwort schreibt Kretschmer, dass es in keiner Weise möglich sei jede Frau zu beschreiben, ihre Figur zu erfassen. Wir seien alle eine Mélange aus verschiedenen Körperformen. Vielleicht haben wir schlanke Arme, dafür aber stämmige Beine. Einen runden Bauch, aber kleine Brüste. Oder umgekehrt. 

Letztlich verstehe ich natürlich, dass wir Mischtypen sind, kann meine Enttäuschung aber nicht verbergen. Ich wünschte, Kretschmer hätte diese Worte im Vorwort verwendet, denn dann wäre ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen. 

Nichtsdestotrotz beschert uns Kretschmer ein kurzweiliges Leseerlebnis. Wie gewohnt charmant spickt er jedes Kapitel mit Anekdoten aus dem echten Leben und zeigt seinen Lesern so seine Publikumsnähe und Bodenständigkeit. Das Buch ist gut durchdacht: Jedes Kapitel widmet sich einem Figurtyp. Eine Anekdote leitet ein, danach geht der Autor ins Detail und abschließend gibt es eine kurze Zusammenfassung sowie Dos and Don’ts der Stilberatung. Der Schreibstil ist unterhaltsam und leicht verständlich. Da meine Erwartungen allerdings nicht erfüllt wurden, entschuldige Guido (mir hat das Buch wirklich gefallen!), gibt es von mir nur 3,5/5 Sterne.

Montag, 10. März 2014

Rezension | Days of Blood and Starlight

(Diese Rezension habe ich eigentlich schon vor vier Wochen verfasst, aber aus Zeitmangel kam ich erst jetzt zum Feinschliff und der Veröffentlichung, verzeiht.)



Und der zweite Streich folgt sogleich. Binnen weniger Minuten des Lesens der letzten Worte aus Band 1 der Daughter of Smoke and Bone-Trilogie habe ich mir die Fortsetzung geschnappt und regelrecht verschlungen. Was das Leseerlebnis für mich besonders faszinierend machte, war der Umstand, dass ich vom 04.-08.02.14 in Marrakesch, Marokko geweilt habe und das Buch mich insofern noch mehr in den Bann zog, da sich die Haupthandlung im Süden Marokkos abspielt. Der erste Teil schon findet szenenweise in Marrakesch statt und es war wirklich schön, die Orte einmal in Wirklichkeit zu begutachten. Die Mentalität der Marokkaner, der berühmte Platz Djemaa el Fna, das Herz Marrakeschs. Das Zusammenfallen der Umstände, i.e. das Lesen und gleichzeitige Urlaubserlebnis, war eine schöne Koinzidenz. Zuzana hat recht, der Sternenhimmel schaut in Marokko ganz anders aus. Die Sterne sind riesig groß im Vergleich zu Deutschland und der Himmel hat eine ganz andere Färbung. Schön…
Aber nun zu Karou. [ACHTUNG: Spoiler! Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, sollte einen Bogen um die folgende Rezension machen, sofern er_sie Interesse hat, das Buch noch zu lesen.]
In Days of Blood and Starlight (Fischer Verlage) verarbeitet Karou die Erlebnisse und das neue Wissen um ihre Geschichte, die wir im Vorgänger Daughter of Smoke and Bone erfahren. Wir erleben dort mit Karou, quasi zeitgleich, wie sie die Erinnerung an ihr Leben als Chimäre durch das Brechen ihrer Wünschelrutenkette (heißt die so in der deutschen Übersetzung? wishbone im Englischen) wiedererlangt. Karou war einmal Madrigal, eine Kirin, von hohem menschlichen Aspekt, trug jedoch Hörner und hatte Antilopenbeine. Und sie war wunderschön. Thiago, der Sohn des Warlords, wollte sie zur Frau nehmen, doch Madrigal verliebte sich in den Engel Akiva, dem sie zwei Jahre zuvor das Leben gerettet hatte. Ihre Schwester Chiro deckte Madrigals Geheimnis auf, verriet sie aus Eifersucht und sorgte somit für Madrigals Exekution und anschließende evanescence (= Vergänglichkeit, Dahinschwinden à la Madrigals Seele sollte sich in Luft auflösen und nicht ‚wiederverwertet‘ werden, was im Normalfall mit den Seelen Verstorbener geschah), veranlasst durch Thiago, da sie das größte Verbrechen begangen hatte, das für Chimären existierte: angel lover. Brimstone fand wider Erwarten trotzdem einen Weg Madrigals Seele zu konservieren. Er schuf ihr einen Menschenkörper, verschloss ihre Erinnerungen in der Wünschelrute und gab Karou die Chance auf ein relativ humanes Leben fernab der Chimären, für die sie eine elende Verräterin darstellte.
Das zu verarbeiten fordert Karou schon beinah alles ab. Sie ist eine Chimäre? Das erklärt so einiges. Sie möchte Akiva in die Arme fallen und den von beiden achtzehn Jahre zuvor geschmiedeten Plan des Friedens zwischen Engeln und Chimären neu entfachen. Doch Akiva schaut Karou, seine verloren geglaubte Liebe Madrigal, nur traurig an und zieht sich zurück. Er und seine Schar haben Brimstone und die Seinen ermordet. Karou kann nicht fassen, dass der Mann, in den sie sich (unbewusst erneut) verguckt hat, ihre Ziehfamilie ausgelöscht hat. Sie ist zutiefst verletzt und wütend und verschwindet.
Sie ist gebrochen und flüchtet sich nach Loramendi, in die zerstörte Chimären-Hauptstadt, in der ausgerechnet Thiago sie findet und unter seine Fittiche nimmt. Karou hat als Madrigal von Brimstone das Handwerk des Wiedererweckens erlernt und praktiziert nun als neue „Leichenräuberin“ an ihres Ziehvaters statt. Sie will Rache an den Engeln nehmen, die ihr Leben zerstört haben und erschafft eine kleine Armee für Thiagos Feldzug. Die Seelen der verstorbenen Soldaten kommen in Thuribulen täglich wieder bei Karou an, die aus Zähnen neue Körpergefäße für sie bildet.
Akiva, auf der anderen Seite der Welt, ist ebenso zerbrochen und glaubt, Karou sei tot. Mit seinen zwei Geschwistern Liraz und Hazael macht er sich auf, den Auftrag des Kaisers zu erfüllen und die Chimärensklaven bzw. die Chimären, die friedlich in der Welt der Engel hausen, auszulöschen. Doch Akiva wäre nicht Akiva, wenn er nicht nach wie vor den Traum des Inter-Rassen-Friedens hegte…
Karou bekommt unerwartet Besuch von Zuzana und Mik, wodurch sie nach einiger Zeit realisiert, dass Thiago sie nur benutzt und sie versucht den Spieß umzudrehen. Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung….

Laini Taylor hat Daughter of Smoke and Bone stilgetreu fortgesetzt und mit Days of Blood and Starlight einen spannenden Mittelteil der Trilogie veröffentlicht. Ich kann die Reihe nur empfehlen und freue mich tierisch auf Teil 3, der Anfang April erscheint. Zum Glück ist das nicht mehr lang hing! Ohne Frage, dieses Buch bekommt von mir 5/5 Sterne.